Kirchengemeinde Der Kindergarten

Historie der Baiertaler Evangelischen Kirche

Die Geschichte der Baiertaler Kirche

eine kurze Zusammenfassung
von Rektor a. D. Anton Willaschek, 1985


Die erste Kirche ist um das Jahr 1300 erbaut worden und wird erstmals in einem Kaufbrief des Ulrich von Hohenhart erwähnt. Dieser verkaufte 1369 den 4. Teil des Dorfes Buwerthal und seinen Hof "under der kyrche". Dieser Hof lag unterhalb der heutigen Kirche, an der Stelle, wo heute der landwirtschaftliche Betrieb des Kurt Gefäller ist. Bei dieser ersten Kirche handelte es sich um eine nach dem Heiligen Gallus geweihte Kapelle. (1)

Die Reformation hielt sehr früh Einzug in der Kurpfalz. Luther kam bereits im April 1518 nach Heidelberg. Zunächst herrschten unklare Verhältnisse, aber nach dem Augsburger Religionsfrieden schuf der Kurfürst Ottheinrich klare Verhältnisse. Er, wie sein Nachfolger Friedrich III., wiesen den Ort Baiertal der reformierten Pfarrei Wiesloch zu und verboten den Dielheimer katholischen Pfarrern das Messelesen in Baiertal.

1587 war das erwähnte Kirchlein so baufällig geworden, daß weder Pfarrer noch Gläubige weiter hineingehen wollten. Es wurde zwischen 1587 und 1592 renoviert.

Im 30jährigen Krieg ( 1618-1648 ), fanden wieder katholische Gottesdienste in der Baiertaler Kirche statt. Wegen der kriegerischen Auseinandersetzungen wurde aber ohnehin nur dann und wann ein Gottesdienst gehalten. Offiziell war es dann nach der DorfOrdnung von 1659 jedem Christen freigestellt, den Empfang des Heiligen Abendmahls seinem Glauben und Gewissen gemäß in Empfang zu nehmen. Von dieser Zeit an kennen wir drei christliche Gemeinden in Baiertal, nämlich die reformierte Gemeinde, die von Wiesloch aus betreut wurde, die lutherische Gemeinde, deren Pfarrer in Schatthausen wohnte und die katholische Gemeinde, die von Dielheim aus betreut wurde. Diese drei Gemeinden hielten im gemeinsamen Gottesdienst ihre Gottesdienste getrennt. Trotzdem sprechen wir von einer Simultankirche.(2)

Offensichtlich hat die Renovierung der Kirche nur etwa ein Jahrhundert vorgehalten. Aus dem Jahre 1697 hören wir, daß die Kirche unter Beteiligung der drei Konfessionen wieder aufgebaut worden ist. Nur 10 Jahre später gab es erneut Schwierigkeiten. In der pfälzischen Kirchenteilung von 1707 wurde die Kirche den Reformierten zum alleinigen Gebrauch zugesprochen. Erst nach dem Protest des Deutschen Ordens, dessen Untertanen Katholiken waren und der Junker, deren Untertanen dem lutherischen Glauben angehörten, wurde sie wieder allen drei Bekenntnissen zur Verfügung gestellt.

Nach einem weiteren Jahrhundert war es dann endgültig soweit. Die Kirche war 1796 völlig zerfallen. Ein Gottesdienst konnte darin nicht mehr abgehalten werden, mußte vielmehr in einer Scheune stattfinden. Außerdem war die Kirche inzwischen für die drei Gemeinden viel zu klein geworden. Sie faßte nur nur ein Drittel der Gläubigen.

Gemeinsam mit der politischen Gemeinde wurde eine neue Kirche, wenige Meter oberhalb der alten, erbaut. Die politische Gemeinde leistete Hand- uns Spannfronden. Die Grundsteinlegung fand am 22. Juni 1802 statt. 1804 wurde die Kirche bereits geweiht von Pfarrer Sauerbrunn aus Wiesloch von der reformierten Gemeinde und

Pfarrer Becker aus Dielheim für die katholische Gemeinde. Erst 1805 war der Bau ganz vollendet. Die Gesamtkosten kamen auf über 10 000 Gulden. (3)

Am Sonntag nach Ostern im Jahre 1806 hat dann auch der lutherische Pfarrer Hermann aus Schatthausen die Kirche eingeweiht.

Im Jahre 1821 ging eine große Reformbewegung durch die protestantischen Landeskircher des Großherzogtums Baden. Überall im Lande entstand eine Bewegung zum Zusammenschluß der protestantischen Kirchengemeinden. Am 21. Oktober war es dann soweit. Es konnte die Vereinigung der Reformierten und Lutherischen zur evangelischen Gemeinde erfolgen. Eine Tafel über dem Nordausgang der Kirche erinnert noch daran. Der nächste Einschnitt fällt in das Jahr 1847. Am 19. Juni kamen auf dem Rathaus in Anwesenheit des Amtsrevisors und des Bezirksnotars 62 evangelisch-protestantische Bürger zusammen, um schriftlich zu erklären, daß sie in Zukunft für den Lebensunterhalt eines Pfarrers und seiner Familie aufkommen wollen. Die evangelische Pfarrei war gegründet und am 23. Oktober 1847 konnte Vikar Braun aus dem Dekanat Emmendingen die Stelle als Pfarrverweser antreten. Im Jahre 1848 nahm dieser Vikar an den revolutionär-demokratischen Umtrieben teil und wurde strafversetzt. Der damalige Bürgermeister Wieswässer mußte nach Amerika fliehen, kam später zurück und mußte eine längere Gefängnisstrafe absitzen. Es dauerte bis zum Jahre 1863, bis mit Georg Steidel aus Leutershausen der erste Pfarrer zum regulären Dienst Dienst aufziehen konnte. Inzwischen war auch ein Pfarrhaus in der Alten Hohl 2 errichtet worden.

Das Simultanäum endet 1911, als die katholische Gemeinde gegen eine Abfindung von 12 000 Reichsmark (Goldmark) auf ihre Rechte verzichtete. Die Katholiken räumten die Simultankirche endgültig am 23. Juli 1912. Damit endete eine über 300jährige

Besonderheit.

Mit einem Gesamtaufwand von fast 20 000 Reichsmark (4) wurde das Gotteshaus an "Haupt und Gliedern" restauriert. Die Gelder stammten überwiegend aus Stiftungen der Baiertaler evangelischen Familien. Die Einweihungsfeierlichkeiten der neu instandgesetzten Kirche fanden am Sonntag, den 16. Februar 1913 nachmittags statt. Um 14 Uhr setzte sich der Festzug vom Schulhof aus zum Gotteshaus in Bewegung. Am Abend fand in der Kirche ein festliches Konzert statt. (5)

Aus der neueren Zeit ist zu erwähnen die Wiederbeschaffung der Glocken im Jahre 1950 der Neubau der Orgel im Jahre 1953 und eine gründliche Innenrenovierung im Jahre 1957. Im Jahre 1983 war dann der bauliche Zustand des Dachstuhls und des Dachreiters so bedrohlich geworden, daß eine sofortige Sanierung durchgeführt werden mußte. Die Schieferverkleidung wurde erneuert, Teile des Dachstuhls abgetragen und wieder aufgebaut, sowie die Fassade nach denkmalspflegerischen Gesichtspunkten im Stile des beginnenden 19. Jahrhunderts wieder hergerichtet.

Anmerkungen:

1) Erwähnt wird dies in dem Wormser Synodale von 1496. Es sind dies Aufzeichnungen über den Befund der Diözese Worms nach der Synode, die Bischof Johann III. im Jahre 1496 abhielt.

2) simultan = gleichzeitig

3) l Gulden im Jahre 1800 war etwa DM 21,— wert.

4) l Reichsmark = Goldmark = DM 12,—

5) Einzelheiten dazu in der Festschrift zum 100jährigen KirchenchorJubiläum 1985

 

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