Behindertengerechter Zugang für Baiertaler Kirche

Fünfzig Zentimeter zu überwinden ist eigentlich nicht der Rede wert. Aber wenn man mit dem Rollator oder dem Gehstock unterwegs ist, werden zwei Treppenstufen, die die fünfzig Zentimeter überwinden, zu einem schier unüberwindbaren Hindernis. So war es bis vor kurzem an unserer Kirche, die keinen Zugang ohne Stufen hatte.

Deshalb hatte sich der Kirchengemeinderat im Frühling 2021 entschlossen, für die evangelische Kirche in Baiertal einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Schnell war klar, dass hierfür nur der Seiteneingang der Kirche in Frage kam.  Eine Rampe sollte am Seiteneingang den Zugang auf Rädern oder mit müden Beinen ermöglichen. Eine kleine Rampe schien alle keine große Sache und wir waren guter Dinge, das Projekt mit Kosten unter € 10.000 innerhalb eines Jahres umsetzen zu können.
Zuerst ging es an die Planung. Nachdem eine Architektin uns klar gemacht hatte, dass ein barrierefreier Zugang nur eine minimale Steigung haben darf, musste die Rampe halb so lang wie die Kirche geplant werden. Und die ersten Angebote für die Ausführung machten uns schnell klar, dass unsere Kostenschätzung selbst bei der einfachsten Ausführung der Rampe deutlich zu niedrig lag. 
Mit den fertigen Plänen ging es dann Anfang 2023 an die Einholung der Genehmigungen. Nachdem die Landeskirche das Projekt finanziell genehmigt hatte, war die denkmalschutzrechtliche Genehmigung durch den kirchlichen und den städtischen Denkmalschutz einzuholen. Um den Zugang zum Kirchensockel für zukünftige Arbeiten offen zu halten, musste die Rampe von dem Sockel der Kirche abgerückt werden. Die nun freistehend Rampe musste neu geplant werden. Schließlich lag Ende 2023 die Baugenehmigung vor.
Danach waren dann neue Angebote einzuholen. Wir hatten zu wenig Geld. Doch durch eine Spendenaktion und viele großzügige Spenderinnen und Spender gelang es, die notwendige Summe einzuwerben. Schließlich war die Finanzierung gesichert, der Auftrag konnte vergeben werden.
Dann kam die nächste Überraschung: Anfang 2025 hatte eine Sicherheitsbegehung der Kirche ergeben, dass der Blitzschutz nicht mehr den Vorgaben entsprach. Um sicherzustellen, dass ein Blitzeinschlag verlässlich in die Erde geleitet wird, war eine Ringleitung rund um die Kirche notwendig, also auch unter der geplanten Rampe. Also Baustopp für die Rampe, stattdessen wurde ein Graben entlang des Kirchsockels ausgehoben und die Ringleitung verlegt.
Im Mai 2026 konnten dann die Arbeiten an der Ringleitung abgeschlossen werden und die Rampe wurde Wirklichkeit. Nun ist auch das Geländer montiert und die Rampe wurde am 13.09.26 eingeweiht. Der lange Weg, um einen Höhenunterschied von 50 cm zu überbrücken, hat ein Ende gefunden – und dem nächsten Kirchgang steht nichts mehr im Wege.
von Dr. Christoph Messer