Bertha von Suttner

  

(* 9.6.1843 in Prag, † 21.6.1914 in Wien)

„Die Waffen nieder“. Der Titel ihres erfolgreichsten Buches war auch der Leitspruch ihres Lebens. Die Tochter eines kaiserlichen Offiziers kämpfte in einer Zeit für den Frieden, als nur sehr wenige Menschen die Notwendigkeit von Kriegen hinterfragten. Bertha von Suttner schreibt Zeitungsartikel und pazifistische Romane und gibt zeitweise eine pazifistische Zeitschrift heraus, womit sie sich zum Ziel zahlreicher Angriffe macht. Doch sie ordnet persönliche Empfindlichkeiten der guten Sache unter und schreibt einem Freund: „Die letzten Witzblätter haben mich wieder tüchtig hergenommen - aber das macht mir nur Spaß und nützt der Popularität der Sache, nicht wahr? Das gefährliche Stadium - das Totschweigestadium - hat die Friedensbewegung schon hinter sich." Sie gründet die österreichische und die deutsche Friedensgesellschaft, kämpft in Vorträgen für ihre Idee und motiviert Alfred Nobel, den Friedensnobelpreis zu stiften. Kurz vor seinem Tod 1896 schreibt er an sie: „Ich bin entzückt zu sehen, dass die Friedensbewegung an Boden gewinnt, dank der Bildung der Massen und dank besonders der Kämpfer gegen Vorurteil und Finsternis, unter denen Sie einen hohen Rang einnehmen. Das sind Ihre Adelstitel.“
Bertha von Suttner geht ihr großes Ziel des Weltfriedens praktisch an und versucht, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Sie ist die einzige Frau und die einzige Vertreterin einer Nichtregierungsorganisation auf der Haager Weltfriedenskonferenz 1899. Dort wird zum ersten Mal beschlossen, eine Schlichtungsstelle zur friedlichen Beilegung von Konflikten zwischen Nationen zu schaffen. Im Jahr 1905, nachdem sich das Nobelpreiskomitee jahrelang geweigert hat, eine Frau auszuzeichnen, ist sie die erste, die den Friedensnobelpreis erhält. Die folgenden Jahre sind für sie ernüchternd. Die zweite Haager Friedenskonferenz bezeichnet sie enttäuscht als „Kriegsgebrauchskonferenz“. Im Jahr 1911 weist sie bereits auf das enorme Zerstörungspotential der Atomkraft hin, lange bevor andere die fürchterliche Zerstörungskraft der Atombombe begreifen.
Im Jahr 1914 stirbt sie. So muss sie nicht mehr erleben, wie ihre bahnbrechenden Friedensinitiativen in Feuer und Rauch des großen Krieges zu zerrinnen scheinen.