Liebe Gemeindemitglieder/innen,
Da wir alle voraussichtlich eine sehr ruhige Zeit zwischen den Jahren verbringen werden, empfehlen wir den exzellenten Podcast von Sabine Rückert und Johanna Haberer. Hier ein kleiner Ausblick darauf, was sie erwartet:
Den Begriff der Bibelarbeit muss man heute vorsichtig in den Mund nehmen. Was gläubigen Christen eine Quelle der Erbauung und Meditation ist, klingt für Nenn- und Nichtchristen nach Strickstrümpfen und Kamillentee. Deshalb ist es ein besonderer Glücksfall, wenn sich eine Journalistin und eine Theologieprofessorin zusammenfinden, um über das Buch, das wahrscheinlich bis heute die meisten Leser weltweit gefunden hat zu reden und zu diskutieren.
Das tun die beiden Pfarrerstöchter Johanna Haberer, Theologieprofessorin in Erlangen, und Sabine Rückert, stellvertretende Chefredakteurin der „Zeit“ unverstaubt und packend. Sie erzählen und lassen teilweise von professionellen Sprecherinnen und Sprechern vortragen, was sich im „Buch der Bücher“ verbirgt. Dabei geht es ihnen nicht darum, neue Bibelbegeisterte zu rekrutieren – das betonen sie in den ersten Folgen mehrmals. Sie wollen einen der grundlegenden Texte unserer Gesellschaft diskutieren und vermitteln, wie diese Texte entstanden sind und was sie uns heute sagen können. Und dabei zuzuhören, ist eine wahre Freude. Da wird nicht gescholten oder belehrt, sondern „das Wort sie lassen stahn“. Die „unglaublichen“ Geschichten der Bibel dürfen ganz aus sich heraus leuchten, mit alle ihren faszinierenden Wendungen und großen Gefühlen.
Für uns Zuhörer, denen Demokratie, Gleichberechtigung und Frieden selbstverständlich sind, ist es mal faszinieren und mal verstörend, in eine Welt einzutauchen, in der nichts sicher ist, alle allen Feind sind und es fast schon an Wahnsinn grenzt, Vertrauen in eine göttliche Lenkung zu haben. Und Sabine Rückert hat als Journalistin keinen Scheu davor, auf die zahlreichen Widersprüche in Handeln Gottes und der Erzväter und -mütter hinzuweisen. Das ist natürlich nicht schwierig bei einem Buch, dass über Jahrhunderte hinweg von ganz unterschiedlichen Autoren geschrieben wurde. Aber die journalistische Pfarrerstochter tut das ganz in der Tradition evangelischer Pfarrhäuser, in denen konstruktive Kritik nicht nur erlaubt, sondern erwünscht war.
Der eigentliche Clou dieser Zwiegespräche sind für mich aber die Erwiderungen und Erläuterungen Johanna Haberers. Schon ihre Art zu sprechen strahlt eine Ruhe und Überlegtheit aus, mit der sie alle Fernsehpfarrerinnen und –pfarrer in den Schatten stellt. Es ist fast, als würde sie dem Zuhörer aus dem Lautsprecher heraus die Hand beruhigend auf die Schulter legen, wenn man sich z.B. gerade über den Verkauf von Sarah durch ihren Ehemann Abraham an den Pharao aufregt. Und dabei versucht sie nie, problematische Stellen mit schönen Worten zuzukleistern. Sie rückt das eine oder andere in den Kontext seiner Entstehung und erläutert manche Begriffe, aber sie erwartet von den Zuhörern, dass sie mit den Widersprüchen der biblischen Texte selbst umgehen. Man fühlt sich als Zuhörer ernst genommen, ganz nach dem Ausspruch des jüdischen Religionswissenschaftlers Pinchas Lapide „Man kann die Bibel nur wörtlich nehmen oder ernst – beides zugleich geht nicht“.
Die beiden Pfarrerstöchter nehmen den Zuhörer an die Hand, aber erlauben ihm jederzeit, loszulassen und die Gedankenwelt der Bibel auf eigene Faust zu erkunden. So wird es auch dem heutigen, säkularisierten Zuhörer leicht, sich mit einem der Grundlagenwerke unserer heutigen Welt zu beschäftigen. Danke, liebe Pfarrerstöchter!
Dr. Christoph Messer
Den kompletten Podcast finden sie hier.




