Neue Brutkästen für Vögel am Kirchturm der Evang. Kirche und Pfarramt in Baiertal in Koopertation mit dem NABU Wiesloch
Kompletter Pressetext Mauersegler, 16.04.2021
Kirchtürme sind wichtige Lebensräume für Vögel, an der Evangelischen Kirche in Baiertal nisten schon seit Jahren Turmfalken, die man jetzt wieder bei der Paarung und Brutaufzucht beobachten kann. Mit etwas Glück haben sie demnächst saisonale Nachbarn in den oberen Etagen des Kirchturmes – Mauersegler. Für sie hat nun die Evangelische Kirchengemeinde in Kooperation mit dem NABU Wiesloch und der Mauerseglerhilfe Nistkästen im Kirchturm und am Pfarrhaus angebracht.
Die Geschichte beginnt traurig - mit der Fällung der alten Linden an der Kirche, deren Wurzeldruck die alte Mauer unterhalb der Kirche nicht mehr standgehalten hat. Von den Linden ist noch ein kleiner Totholzgarten übrig, in dem holzbewohnende Insekten wie Rehschröter und Bockkäfer eine Unterkunft finden werden. Aber das Holz der Linden ist auch „wiederauferstanden“ – als Sitzbänke rund um die Kirchen und als Kerzenständer, der bereits im Altarraum steht und hoffentlich bald von Gottesdienstbesuchern bewundert werden kann.
Mit den alten Linden an der Kirche ist eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten verloren gegangen. Auch wenn man es den Linden nicht ansieht, sind ihre winzigen Blüten im Frühjahr eine sprudelnde Nektarquelle, wenn Bienen und viele andere Insekten damit beschäftigt sind, ihren Nachwuchs großzuziehen oder mit Vorräten für die Larvenentwicklung zu versorgen. Wer sein Auto schon mal im Frühjahr unter einer Linde geparkt hat, kann ein Lied davon singen, wie viel Nektar diese Bäume produzieren. Zudem waren die Linden Brut- und Nahrungsbäume für Spechte, Stare, Wildtauben und andere Vogelarten, die dort regelmäßig zu beobachten waren.
Um den Verlust der Linden auszugleichen, wurden von der Naturschutzbehörde mit der Genehmigung der Lindenfällungen auch Maßnahmen angeordnet, um den Verlust der alten Bäume zumindest etwas auszugleichen. Gisela Krewing-Rambausek, Mitglied der Kirchengemeinde, des NABU Wiesloch und bestellte Naturschutzwartin in Dielheim war das nicht genug. Sie hat unermüdlich beim Kirchengemeinderat dafür geworben, mehr zu tun, als eine neue Linde anzupflanzen und einige Nistkästen für Stare und Mehlschwalben aufzuhängen. Sie schlug vor, auch den Versuch zu machen, Mauersegler im Kirchturm anzusiedeln. Diese eleganten Flieger, die im südlichen Afrika überwintern und zur Brut zu uns kommen, sind in Baiertal bereits heimisch, so das gute Chancen bestehen, sie auch an der Kirche anzusiedeln. Prof. Volker Voigtländer von der Mauerseglerhilfe des NABU Heidelberg war sofort bereit, den möglichen neuen Standort zu begutachten und hat gemeinsam mit seinem Kollegen Reinhard Reetz die Mauerseglerkästen im Kirchturm und am Pfarrhaus angebracht. Dort wurden auch die Mehlschwalbennester aufgehängt, da diese Schwalben bevorzugt innerhalb von Ortschaften brüten und die evangelische Kirche wahrscheinlich zu windexponiert für sie ist. Unterstützung bei der Maßnahme am Pfarrhaus erfolgte durch hilfreiche Mitarbeiter des Bauhofes Wiesloch, die mit einem Hubsteiger anrückten. Die Starenkästen wurden an der Rückwand des Pfarrhausschuppens angebracht und werden bereits für die Brut genutzt.
Die neu an der evangelischen Kirche gepflanzte Linde wird noch einige Jahre brauchen, bis sie ihren Beitrag zur Nahrungsversorgung der Baiertaler Insekten leisten kann. Daher wurde auf Anregung von Frau Krewing-Rambausek und in Abstimmung mit Frau Stein als Umweltbeauftragte der Stadt Wiesloch beschlossen, durch das Pflanzen von Büschen das Nektarangebot schnell zu verbessert. Durch die Auswahl der Büsche -Heckenrose, Kornelkirsche, Zwergmispel, Holunder und Schneeball- sind über die gesamte Blühsaison hinweg Nektarquellen auf dem Gelände der Kirche vorhanden, so dass auch für Insekten, die später im Jahr unterwegs sind, der Tisch gedeckt ist. Und wenn sie eine ausreichende Größe erreicht haben, sind die Büsche auch Aufenthaltsort und Brutplatz für Singvögel, denen wiederum die Insekten als Nahrungsquelle dienen. Im Herbst und Winter profitieren Stand- und Zugvögel vom reichhaltigen Früchteangebot. Die Patenschaft und die Kosten für die Linde wurden von den Mitgliedern des Kirchenchors übernommen, die Sträucher hat der Baiertaler Ortschaftsrat Jörg Deckarm gespendet.
Für die Kirchengemeinde geht es nun daran, die durch die Lindenwurzeln schwer aus dem Lot gebrachte Mauer zu reparieren. Da die Mauer unter Denkmalschutz steht, wird dies wiederum eine enge Abstimmung mit den Behörden erfordern. Im Moment prüft ein Statiker den Zeit- und Kostenrahmen, um die nächsten Schritte vorzuschlagen. Der Kirchengemeinderat hofft darauf, dass bis dahin auch eine Übereinkunft mit der Stadt zur weiteren Nutzung des Wichernhausgrundstücks getroffen werden kann, um die Finanzierung der Mauersanierung zu ermöglichen.
Für Rückfragen stehen zur Verfügung:
Frau Gisela Krewing-Rambausek, NABU Wiesloch: 0170 861 7829
Dr. Christoph Messer, Kirchengemeinderat: 0172 6285337




