Käthe Kollwitz
(* 8.7.1867 in Königsberg/Ostpreußen, † 22.4.1945 in Moritzburg)
Käthe Kollwitz kann mit Unterstützung ihres Vaters, der ihr Talent früh erkennt, eine Ausbildung als Künstlerin in Königsberg, Berlin und München machen. Unter dem Eindruck von Gerhardt Hauptmanns Theaterstück „Die Weber“ über den Hungeraufstand der schlesischen Weber beginnt sie 1893 ihren ersten Radierungszyklus „Ein Weberaufstand“. Ihre Bilder vermitteln auch dem heutigen Betrachter unmittelbar die hoffnungslose Situation der Weber, ihre Wut auf ungerechte Verhältnisse und die Brutalität des preußischen Regimes bei der Niederschlagung des Aufstands. Mit diesem Werk gelingt ihr der künstlerische Durchbruch, doch sie macht nicht nur „hohe Kunst“: Zur „Deutschen Heimarbeit-Ausstellung“, die die katastrophalen Arbeits- und Lebensbedingungen der Heimarbeiterinnen und -arbeiter thematisiert, zeichnet sie eine zu Tode erschöpften Arbeiterfrau. Immer wiederkehrende Motive in ihren Werken sind Frauen als Leidtragende durch Ungerechtigkeit und Krieg, aber auch als Schützende, vor allem für ihre Kinder.
Das große Leid, dass sie so meisterhaft darstellt, kommt auch zu ihr: Zu Beginn des ersten Weltkriegs fällt ihr jüngerer Sohn Peter. Käthe Kollwitz wird überzeugte Pazifistin. Als gegen Kriegsende Unbelehrbare ein letztes Aufgebot fordern, schreibt sie einen offenen Brief, den sie mit einem Goethe-Zitat abschließt: „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden!“
In den Jahren zwischen den Kriegen wird Käthe Kollwitz als erste Frau ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Künste und erhält 1929 ebenfalls als erste Frau den höchsten zivilen Orden „Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste“. Sie engagiert sich weiter für Menschenrechte und Gerechtigkeit. Für den Mitteldeutschen Jugendtag der sozialistischen Arbeiterbewegung entwirft sie 1924 das Plakat „Nie wieder Krieg“, dass zu einer Ikone der Friedensbewegung werden wird. Für den Soldatenfriedhof in Belgien, auf dem ihr Sohn begraben wurde, entwirft sie das Denkmal „Trauernde Eltern“, das 1932 aufgestellt wird.
Nach der Machtergreifung der Nazis wird Käthe Kollwitz gezwungen, aus der Akademie auszutreten. Sie wird mit einen Ausstellungsverbot belegt und ihre Werke als „entartete Kunst“ aus den Museen entfernt. Hellsichtig schafft sie von 1934 bis 1937 den Zyklus „Tod“. Im Jahr 1941 entsteht ihre vermutlich letzte Lithographie „Saatfrüchte sollen nicht vermahlen werden“. Im Jahr darauf fällt auch ihr Enkel Peter in Russland. Wenige Tage vor Kriegsende stirbt Käthe Kollwitz in Moritzburg. Ihre Grafiken sind bis heute für zahlreiche Menschenrechtlerinnen und Menschenrechtler Inspiration und Trost.


